Baudenkmal Nr. A/165 - Massives Villengebäude
Adresse
Koordinaten: 51.71534315162132, 9.188646949639468
Adresse: Am Bahndamm 2, 33034 Brakel
Charakteristische Merkmale des Denkmals
Auf einem großzügigen, direkt an die Bebauung der,,Südmauer" anschließenden Gartengrundstück errichtet 1927/28 der am St. Vinzenz-Hospitaal als Chefarzt tätige Dr. Umenhof nach Plänen des Brakeler Architekten Hans Happ sein Wohnhaus. Der südliche Grundstücksbereich wird annähernd halbrund begrenzt durch die Ostheimer Straße und die hier abzweigende Zufahrt zum Bahnhof. Vom Grundstücksbereich mit dem Wohnhaus wird dieser Teil abgetrennt durch die Brucht, über die eine BRücke führt. Durch den großflächigen Straßenausbau, wohl im Zusammenhang mit der Errichtung des Städtischen Neusprachlichen Gymnasiums am Bahndamm im Jahr 1962, wurde der südliche Grundstücksbereichzur öffentlichen Verkehrsfläche umgestaltet. Bei dem Wohnhaus handelt es sich um einen zurückliegenden zweigeschossigen, unterkellerten Putzbau zu vier Achsen auf Rustika- Sandsteinsockel unter mit Biberschwanz-Ziegeln gedecktem Mansarddach mit geschweiften Abgängen. An der ebenfalls vierachsigen südlichen Fassade setzt über zwei Achsen ein bauzeitlicher Vorbau mit darüberliegendem Balkon, dessen Eisengitter zwischen verputzten Pfeilern bauzeitlich erhalten ist, an. Der Haupteingang befindet sich an der Ostseite, ebenfalls ein Nebeneingang. An der nordöstlichen Gebäudeecke befindet sich ein gleichfalls bauzeitlicher, zweigeschossiger Garagenanbau mit darüber liegendem ,,Zimmer des Chauffeurs" (lt. Bauzeichnung). Dieser nicht unterkellerte, ursprünglich mit eigenem Eingang an der Ostseite erschlossene Baukörper hat flachgeneigte, mit Bitumen gedeckte Dachflächen. Ein weiterer Vorbau, und zwar über segmentbogigem Grundriss als repräsentativ mit Pfeilerstellungen unter flachgeneigtem Walmdach (Bitumendeckung) errichteter Eingangsbau, befindet sich an der Nordfassade (Gebäuderückseite). Die Dachflächen über der Süd- und der Westfassade sind durchbrochen von je einem bauzeitlichen Zwerchhaus zu zwei Achsen mit einer flachen, etwas eingezogenen Dreiecksgiebelbekrönung. Die Gebäudeecken (und die Pfeiler des rückwärtigen Anbaus) haben Stuckpilaster mit regelmäßigen horizontalen Profilen, so dass sich quaderähnliche Kompartimente ergeben, die die schwach vorkragende Traufzone gleichsam stützen. Die Erdgeschoss-Fenster werden betont durch eine kleine Gebälkzone. Darüber hinaus sind die Fassaden sparsam gegliedert. Zu den Hauseingängen führen Treppenanlagen mit Blockstufen aus rotem Sandstein. Die Fenster und Außentüren wurden erneuert. Der derzeitige Anstrich entspricht nicht dem ursprünglichen Zustand. Im Gebäudeinneren sind die Strukturen einschließlich der Ausstattung weitgehend bauzeitlich erhalten geblieben; die wenigen Veränderungen sind reversibel. Hinter der solide erneuerten Haustür befindet sich das Entré mit einem Bodenbelag aus sehr kleinen quadratischen, in geometrischer Musterung verlegten grauen, hellbraunen und schwarzen Fliesen. Die Wände sind etwa mannshoch verkleidet mit großformatigen, dunkelgrünen Keramikplatten mit lebhaft ungleichmäßigen Oberflächen und mit vertikalen und horizontalen Abschlüssen aus Relieffliesen mit stilisierten floralen Ornamenten, teilweise als gerundete Kantenfliesen, Rechts und links erschließen Türen die angrenzenden Räume (links ursprünglich das Wartezimmer für die Patienten und Patientinnen, rechts führt ein Durchgang zum WC sowie zum Dienstboteneingang und -flur. Eine doppelflügelige Füllungstür mit expressionistisch anmutenden Sprossen in den oberen Partien und im Oberlicht führt in die Diele als Vorraum zum Sprechzimmer (mit umlaufender hölzerner Wandverkleidung aus der Bauzeit) und den Wohnräumen. Diese in für das gehobene Bürgertum traditioneller Folge: Empfangszimmer, Speisezimmer und Herrenzimmer. Auch die Küche mit angrenzender Besenkammer und Vorratsraum befindet sich im Erdgeschoss. Die bereits bauzeitlich im Empfangs- und im Speisezimmer angelegten Türen ins Freie können einen Hinweis geben auf einen gestalteten Garten, dessen Strukturen heute nicht mehr vorhanden sind. Die Türdrücker sind weitgehend bauzeitlich erhalten. Empfangszimmer und Speisezimmer sind verbunden durch eine Schiebetür. Alle Räume haben Holzfußböden der Bauzeit, z.T, Eichenparkett. Die Treppenanlage des Nebentreppenhauses ist annähernd identisch, aber etwas schlichter ausgebildet als die Haupttreppe, der Bodenbelag besteht ebenfalls aus kleinen quadratischen Fliesen, hier schwarz und grau. Die ehemalige Garage einschließlich Wendeltreppenerschließung des Chauffeurszimmers wurde der Wohnung zugeordnet und entsprechend verändert. Von der Diele aus führt eine Holztreppe mit beschnitztem Antrittspfosten und Stabbalustern in das Obergeschoss, in dem die Türen zu den Wohnräumen in Rahmen mit kassettierten Laibungen sitzen. Im Obergeschoss lag neben dem Kinderschlafzimmer das "Fräuleinzimmer" (lt. Bauzeichnung); für weitere Hausbedienstete befanden sich drei Kammern im Dachgeschoss. Das Kellergeschoss mit flachen preußischen Kappen hat einen separaten Zugang von der Südwestseite aus (ehem. Waschküche). Eine Stützmauer aus Natursteinen bildet die westliche Grundstücksgrenze zum Siechenbach; sie ist die Bestandteil des Baudenkmals.Begründung der Eintragung
Denkmalart: Baudenkmal
Name des Denkmals: Massives Villengebäude
Begründung: Diese repräsentative Villa ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in der Stadt Brakel, denn sie belegt einerseits die Ausdehnung der Stadt über die stadtmauerbegleitenden Straßen hinaus in Richtung Bahnhof, eine städtebauliche Lage, die damals
durchaus die Aufgeschlossenheit der Erbauer gegenüber dem technischen Fortschritt zeigte, Andererseits dokumentiert sie die Entwicklung bürgerlichen Wohnens in den 1920er Jahren. Während die Fassade sich recht zurückhaltend und überwiegend an der
traditionelien Formensprache orientiert darbietet, zeugt die ausgesucht riobie Ausstattung des Gebäudeinneren zusammen mit der Raumfolge von den Wohnvorstellungen und Lebensumständen des Krankenhausarztes und seiner Familie. An Ausstattungsdetails
wird die Aufgeschlossenheit gegenüber der expressionistischen Formensprache deutlich, beispielsweise die Fliesenmosaiken der Entr6bereiche, die Versprossung der Trenntür o.ä. An der Erhaltung und Nutzung gem, § 2.1 DSchG NW besteht daher aus orts- und sozialgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse. Da die Villa auch heute noch die Stadtansicht von Süden entscheidend mitprägt, werden auch städtebauliche Erhaltungsgründe angeführt.
Eigentümer
Christian Meyer, Sebastian Meyer
Nutzungsart
WohngebäudeBaujahr und Besonderheiten der Architektur
1927/1928
Nutzung des Denkmals (früher & heute)
Geschichten, Anekdoten und Bewohner:innen des Denkmals
Bermerkungen
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